Flugmodellbau

Wer bei dem Begriff Flugmodellbau an verstaubte rote Barone oder Tante JUs denkt, wird dem Umfang, der Vielfältigkeit und der Bedeutung dieses Fachbereichs nur sehr unzureichend gerecht. Die Grenzen zwischen Sport und Spiel, Pioniergeist und Wissenschaft, Forschung und Militär sind selten so unklar wie beim Flugmodellbau.

Entsprechend finden sich Flugmodelle in diversen Bereichen. Grundsätzlich dienen Modelle dazu, die tatsächlichen Flugeigenschaften von Fluggeräten gleich welcher Art zu erforschen. Denn, wie man bereits im Filmklassiker Der Flug des Phönix mit Hardy Krüger als Modellbauingenieur eindrucksvoll erleben durfte, gelten für große und kleine Flugapparate weitgehend die gleichen Flugeigenschaften.

Geht es um Spiel und Sport, konkret um das Hobby Modellbau, so lassen sich einige Teilgebiete abgrenzen. Zu unterscheiden sind beispielsweise die unterschiedlichen Modellgruppen, wie etwa Flächenflieger (z.B. Segelflugzeuge, Motorflugzeuge), Hubschrauber, Ballons und Luftschiffe. Auch Raketen sowie Apparate für den Flug ins Weltall gehören im weitesten Sinne dazu. Andererseits gibt es auch im Flugmodellbau jene Modellbauten, die allein durch das Bauen und spätere Betrachten bzw. Ausstellen ihre Faszination erzeugen, während andere Modelle dafür konzipiert sind, sie tatsächlich in die Luft zu bringen. Die Unterscheidungen bei den flugfähigen Modellen im Rahmen von Wettkämpfen und Rekordversuchen sind mittlerweile sehr vielfältig und nicht immer zwischen verschiedenen Interessengruppen einheitlich. Prinzipiell sind die Voraussetzungen für das Abheben der Luftmodelle nicht anders als bei anderen Modellen, die dem aktiven Sport dienen. Eine Fernsteuerung sorgt für die Bedienung des Geräts. Die Fluggeräte werden meist mit Elektro- oder Benzinmotoren betrieben. Auf jeden Fall ist jeweils ein Stromspeicher für Modell und Funksteuerung notwendig, um die Steuersignale ausführen zu lassen. Die Entwicklung neuer Werkstoffe wie GFK (Karbon) hat dem Flugmodellbau im wahrsten Sinne des Wortes Auftrieb gegeben und auch durch die Preisnachlässe viele neue Freunde finden lassen.

Fragt man nach den Ursprüngen, so lässt sich zumindest die Frage nach der Henne und dem Ei in diesem Fall recht eindeutig klären. Die Geschichte des Flugmodellbaus ist mindestens rund 2500 Jahre älter, als die der echten Luftfahrt. Bereits Archytas von Tarent, Mathematiker und Philosoph im fünften vorchristlichen Jahrhundert experimentierte mit einem Vogelmodell (fliegende Taube). Im darauf folgenden Jahrhundert setzt sich als Spielzeug für Kinder in China ein Drehflügelflugzeug durch. Der chinesische Kreisel nimmt mit den kreuzförmig an einem runden Stab leicht schräg angebrachten Vogelfedern das Hubschrauberkonzept vorweg.

1804 fliegt Sir George Cayleys Gleitflugmodell. Der Franzose Alphonse Penaud stellt die entscheidenden Weichen für die erste große Phase des Flugmodellbaus mit seinem 1871 entwickelten Gummimotorantrieb. Bereits vor dem ersten Weltkrieg wird Flugmodellbau zu einem Hobby mit vielen begeisterten Anhängern. Die Entwicklung der Funkfernsteuerungen begann bereits vor 1930. Bis in die 1960er Jahre herrschten die empfindlichen und schweren Röhrengeräte vor. Erst die Einführung der Transistoren sorgte auch hier für eine weitere Verbreitung. Ein weiterer gewaltiger Schritt zum modernen Modellflugzeug war die Proportionsanlage, bei der die exakte Synchronisation zwischen Steuerungshebel an der Fernbedienung und den Rudern am Modell deutlich präziseres Führen erlaubt. Wie auch in anderen Modellbaubranchen, so gilt auch für den Flugmodellbau das allgemeine Prinzip der eingeschworenen Gemeinschaft. Jede Gruppe und Untergruppe organisiert sich häufig individuell und Neueinsteiger haben es manchmal nicht leicht, sich zu integrieren.